Gräber im Volksgarten

© Maria Welzig

 

Bis 1956 befanden sich im Volksgarten Gräber sowjetischer Offiziere, die im April 1945 im Kampf um die Befreiung Wiens vom nationalsozialistischen Regime ums Leben gekommen waren. Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages im Mai 1955 wurde das überaus heikle diplomatische Thema der Beseitigung der sowjetischen Spuren im öffentlichen Stadtraum im Gemeinderat diskutiert.


© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
Sowjetische Soldatengräber im Volksgarten, 1945

Wie lange noch?

Diese Frage beherrscht den Wiener Gemeinderat. Inmitten der Stadt sind noch „Erinnerungsstücke an die Besatzungszeit“. Gegenüber dem Parlament befindet sich in einer Parkanlage (Volksgarten genannt) eine Reihe von Gräbern hoher russischer Offiziere, die während der Schlacht um Wien gefallen sind. (…) Nun wird im Gemeinderat diskutiert, wie es möglich ist, diese „Erinnerungsstücke“ aus dem Stadtbild zu entfernen, ohne eine diplomatische Verwicklung mit Russland heraufzubeschwören.

Wien, 24. Mai 1956
 

Endlich!

Sagten die Wiener als bekannt wurde, dass die russischen Erinnerungen und Gräber aus dem Stadtgebiet entfernt werden. Nach langwierigem, zähen diplomatischem Geplänkel ist es gelungen die Botschaft der UDSSR zur Zustimmung zu bewegen, die letzten Erinnerungsstücke der roten Armee zu beseitigen. Unter der „Entrümpelung“ fällt das russische Siegesdenkmal, der angeblich erste Panzer, der Wien befreite, und Soldatengräber im Inneren der Stadt.

Wien, 11. Oktober 1956