Hoffnungsträger
auf dem Josefsplatz


© Österreichische Nationalbibliothek, Handschriftensammlung
Lobgedicht von Bonajuto Isac Levi aus der jüdischen Gemeinde von Mantua auf Kaiser Joseph II., 1781

Die Verse sind Teil eines anlässlich des Todes Maria Theresias verfassten Trauergedichts. Die Kaiserin war bekanntermaßen nicht sehr „judenfreundlich“ eingestellt. Die Hoffnungen der jüdischen Gemeinde ruhten nun auf dem „aufgeklärten“ Nachfolger Joseph II. Tatsächlich erließ dieser im darauffolgenden Jahr, 1782, ein Toleranzpatent, das den Juden in Wien und Niederösterreich erstmals gewisse Rechte zusicherte.


Toleranzpatent für die Juden in Wien und Niederösterreich
Wien, 2. Januar 1782 (Auszug)

Wir Joseph der Zweyte, von Gottes Gnaden erwählter R. Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, König in Germanien, Hungarn und Böheim etc., Erzherzog von Oesterreich, Herzog zu Burgund und Lotharingen, etc., etc., entbieten jedermann unsere Gnade und geben euch hiemit gnädigst zu vernehmen:

Von Antretung unserer Regierung an haben wir es einen Unserer vorzüglichen Augenmerke seyn  lassen, dass alle unsere Unterthanen ohne Unterschied der Nazion und Religion, sobald sie in Unseren Staaten aufgenommen und geduldet sind, an dem öffentlichen Wohlstande, den Wir durch Unsere Sorgfalt zu vergrößern wünschen, gemeinschaftlichen Antheil nehmen, eine gesetzmäßige Freyheit genießen und auf jedem ehrbaren Wege zu Erwerbung ihres Unterhalts und Vergrößerung der allgemeinen Aemsigkeit kein Hindernis finden sollten.

Da nun mit dieser Unserer gnädigsten Absicht die gegen die jüdische Nazion überhaupt in unseren Erbländern und insbesondere zu Wien und in Niederösterreich bestehenden Gesetze und sogenannten Judenordnungen nicht durchaus zu vereinbaren sind, so wollen Wir dieselben kraft gegenwärtigen Patents insofern abändern, als es die Verschiedenheit der Zeit und Umstände nöthig machen.
 
5. Gegen Entrichtung dieses Schutzgeldes ist dann der Entrichtende zwar befugt, sich mit seinem Weibe und denjenigen Kindern, die kein eigenes Gewerb, keine abgesönderte Handlung treiben, sondern noch in seiner Versorgung stehen, in Wien aufzuhalten, Unsers landesfürstlichen Schutzes zu genießen und die seiner Nazion eröffnete Handlung zu treiben, oder die freygegebenen Nahrungszweige zu bearbeiten.
 
6. Es erstreckt sich aber dieser Schutz nicht zugleich auf den Sohn eines tolerirten Hausvaters, der sich verehligt und seine eigene Haushaltung zu machen anfängt, noch auf eine Tochter, die an einen hier noch nicht tolerirten oder einen auswärtigen Juden vermählt würde.
 
7. Auf dem offenen Lande in Niederösterreich zu wohnen bleibt den Juden wie vorhin noch ferner untersagt; es sey denn, daß sie irgend auf einem Dorfe, in einem Markte, einer Landstadt, oder allenfalls auf einem bis hieher noch unbebauten (öden) Grunde eine Fabrick errichten oder sonst ein nützliches Gewerb einführen wollten; […] Da Wir die jüdische Nazion hauptsächlich durch bessere Unterrichtung und Aufklärung ihrer Jugend und durch Verwendung auf Wissenschaften, Künste und Handwerke dem Staate nützlicher und brauchbarer zu machen, zum Ziele nehmen, so erlauben und befehlen Wir
 
8. gnädigst den tolerirten Juden in jenen Orten, wo sie keine eigenen deutschen Schulen haben, ihre Kinder in die christlichen Normal- und Realschulen zu schicken, um in diesen wenigstens das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Und obschon sie in Unser Residenz keine eigentliche Synagoge haben, so gestatten Wir ihnen dennoch für ihre Kinder eine eigene, normalmäßig eingerichtete, mit Lehrern von ihren Religionsgenossen besetzte Schule auf ihre Kösten zu errichten […].

11. Wir verleihen weiters hiemit der jüdischen Nazion das allgemeine Befugnis, alle Gattungen von Gewerben, jedoch ohne Bürger- und Meisterrecht, als wovon sie ausgeschlossen bleiben […] Die Malerey, Bildhauerey und die Ausübung anderer freyer Künste ist denselben gleichfalls wie den Christen überlassen; so wie Wir
 
12. den jüdischen Religionsgenossen auch unter allen unbürgerlichen (nicht bürgerlichen) Handlungszweigen vollkommen freye Wahl geben und sie berechtigen, sich um das Befugnis der Großhandlung unter den nämlichen Bedingnissen und mit eben den Freyheiten zu bewerben, wie sie von Unsern christlichen Unterthanen erhalten und getrieben werden.
 
13. Da die Anlegung von Manufakturen und Fabriken ihnen von jeher erlaubt war, so ergreifen Wir hier bloß die Gelegenheit, indem Wir diese Erlaubnis gewissermaßen erneuern, sie zu solchen gemeinnützigen Unternehmungen öffentlich aufzumuntern.
 
18. Durch die gegenwärtige Verordnung lassen wir es von den bisherigen Beschränkungen auf Judenhäuser [damit sind Ghettos gemeint] abkommen und erlauben es den tolerirten Juden eigene Wohnungen sowohl in der Stadt als in den Vorstädten nach ihrer Willkür zu miethen.