Kraus im Garten

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Hofrat Wetschl: Ich gratuliere Ihnen zu der sinnigen Idee, durch die Sie dem Hofärar (Anm. den Staatsfinanzen) mit einem Schlag ein neues Einnahmsgebiet erobert haben. Für jeden Kinderwagen, den eine Amme in den k. k. Volksgarten führen will, muß jetzt eine Taxe von 50 kr. für die Saison erlegt werden. So läppert man doch wieder dreißig Gulden jährlich zusammen!

Karl Kraus, in: Die Fackel, Heft 43, Juni 1900
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
Frauen mit Kindern und Kinderwägen vor dem Theseustempel im Volksgarten, 1955

Der Volksgarten gehört seit seiner Eröffnung 1823 zu den beliebtesten Erholungsorten der Wienerinnen und Wiener. Um 1900 führte der für seine notorische Sparsamkeit berüchtigte Hofbeamte Franz Freiherr von Wetschl für jeden Kinderwagen im Volksgarten eine Saison-Gebühr von 50 Kronen ein. Der Schriftsteller Karl Kraus reagierte darauf in seiner Zeitschrift „Die Fackel“ mit einem ätzenden Kommentar. Kraus nahm den mächtigsten Beamten des Hofes, der auch für den schleppenden Bau der Neuen Burg zuständig war, oft ins Visier seiner satirischen Kritik.