Schlüssel zur Hofburg

© Maria Welzig

 

Am 8. November 1945 wurde das „Haus der Offiziere“ („dom oficerov“) in der Wiener Hofburg – ungefähr in jenem Bereich, wo sich heute das Kongresszentrum befindet - eröffnet, das den sowjetischen Offizieren und ihren Familien verschiedene Freizeitmöglichkeiten bot. Ein reges Kulturprogramm mit Opernabenden, Konzerten und Tanzveranstaltungen wurde offeriert, bei denen auch immer eine politisch-ideologische Motivation mitschwang. Sowjetische Filme wurden in einem Kinosaal aufgeführt, aber auch im Freien wo auch die österreichische Bevölkerung beiwohnen konnte. Im Gegensatz zu den US-Amerikanern – die den Messepalast (heute MQ) als Veranstaltungsort für die heimische Bevölkerung öffnete – blieben die sowjetischen Besatzer meist unter sich.
 

© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
Die Insignien der Sowjetmacht, der rote Stern und die Porträts von Wladimir Lenin und Josef Stalin, werden nach dem Ende der Besatzungszeit 1955 von der Hofburg entfernt


[…] Am 1. April 1948 hab i ang’fangt in der Burghauptmannschaft und glei, a paar Tag später, bei die Russen. Da Holziger, Elektrikermeister von uns im Kesselhaus, der hat bei die Russen im ganzen Haus des Licht g’macht, die Elektrik war wichtig. Und da hat er g’sagt, er braucht an Tischler a, weil die schönen Goldsesseln, die in der ganzen Burg herumstanden san – die Sessel haben die Russen verwendet bei den Konzerten und Aufführungen –, hauptsächlich waren die Goldsessel zum Reparieren. Waren alle hin. Na kloar, wenn sich der Russ drauf setzt mit sein G’wicht, die passen ja net auf.

[…] Da haben wir durch das Fenster im Bibliothekshof in unsere Werkstatt zum Arbeiten klettern müssen, weil die Russen alles abgesperrt haben.

[…] Und im oberen Saal und im letzten Saal hams Fußball gespielt. Da hab i miassen fia die Fenster so an Rahmen machen mit Gitter, der ist angehängt worden auf der Wand, dass’ net die Scheiben z’samm hauen, sonst fallen sie alle beim Heldenplatz auße beim Fenster. 4x3 Meter, mit Maschengitter, wenn da der Ball rauffallt, fallt er wieder z’ruck. eh g’scheit, sonst wären alle Fenster kaputt g’wesen.

[…] wenn’s große Sachen zum Raustragen gegeben hat, da im Schlossergang, da haben uns die Russen aufg’sperrt zum Raustragen, und dann wieder zuag’sperrt, fürs Haus zum Liefern. Mir ham kan Ausgang ghabt. Durchs Fenster hast kan Kasten, ka Kastl durchbracht.

Rudolf Novak in einem Gespräch mit Maria Welzig, 13. Mai 2010.

Rudolf Novak (25. August 1924 – 1. Mai 2015) war Mitarbeiter der Burghauptmannschaft von 1948 bis 1987, Bewohner der Hofburg seit den 1950er-Jahren. Nach zwei Jahren Kriegsdienst und vier Jahren russischer Kriegsgefangenschaft kam der junge Rudolf Novak 1947 mit einem der letzten Gefangenenzüge aus Russland nach Österreich zurück. Sein ursprünglicher Berufswunsch war es Polizist zu werden. Aber zwei weitere Jahre Internierung in der Rossauer Kaserne, wie es die Polizei-Ausbildung vorsah, hätte er nach den Jahren bei der Wehrmacht und im russischen Lager nicht ertragen. So begann Rudolf Novak über Vermittlung seines Onkels, der im Kesselhaus der Hofburg arbeitete, 1948 bei der Burghauptmannschaft seine Arbeit als Tischler.