Türkische Spuren
auf dem Hofburgareal

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Drei Jahrhunderte währte die Angriffsgefahr durch das Osmanische Reich, und sie prägte die bauliche Gestalt der Hofburg wesentlich. Nach der ersten Türkenbelagerung 1529, bei der nur der vorzeitige Wintereinbruch die Angreifer zum Abzug gebracht hatte, entschloss man sich in Wien, die mittelalterliche Stadtmauer durch einen Festungsneubau nach modernstem Stand der Technik zu ersetzen.

Bei der zweiten Belagerung 1683 waren die Hofburg und der Basteiabschnitt unmittelbar vor der Burg das Hauptangriffsziel und Schauplatz verzweifelter Kämpfe. Erst mit dem Ende der osmanischen Bedrohung begann ein großzügiger Ausbau der Burg und der Stadt, die ihr barockes Antlitz zu formen begann. Die Bastei prägte nicht nur das Bild von Wien bis weit ins 19. Jahrhundert, „Wien als Festung“ schrieb sich auch tief in das Selbstverständnis der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ein. Vom Mythos der Verteidigung des Abendlandes zehrte das Habsburgerreich noch nach dem Ende der militärischen Gefahr. Das Feindbild wurde auf beiden Seiten aufrechterhalten.

Obwohl das Osmanische Reich lange eine existenzielle Bedrohung für die Monarchie darstellte, war seine hochentwickelte Kultur gleichzeitig auch Quelle neuen Wissens und neuer Errungenschaften für das Habsburgerreich. Über Diplomaten, Wissenschaftler und Händler kamen nicht nur Handschriften und Wissenschaftstraktate, sondern auch die Rosskastanie, der Flieder, die Tauben, der Diwan, das Kaffeehaus und der Strudel nach Wien.

 

Ehemalige Bastei

Die Schauplätze der Belagerungen Wiens durch das Osmanische Reich 1529 und 1683 waren auf den Basteiabschnitt unmittelbar vor der Hofburg konzentriert, also dort, wo sich heute der Heldenplatz und der Volksgarten befinden. In den unterirdischen Minengängen, die das osmanische Heer gegraben hatte, fanden zahlreiche Angreifer und Verteidiger ihren Tod.

 

Neue Burg

Antike Ausgrabungen aus der Westtürkei bilden einen bedeutenden Teil der Sammlung des Ephesos-Museums, das sich in der Neuen Burg befindet und zum Kunsthistorischen Museum gehört.

 

Spanische Hofreitschule

Der martialische Brauch des „Türkenkopfstechens“ bildete im 18. Jahrhundert einen Bestandteil von kaiserlichen Festveranstaltungen, den sogenannten Karussellen in der Winterreitschule.

 

Heldenplatz

Das Reiterdenkmal des Prinzen Eugen von Savoyen wurde 1865 auf dem Äußeren Burgplatz (seit 1878 Heldenplatz) als Erinnerung an den siegreichen Feldherrn im Kampf gegen das Osmanische Reich errichtet.

 

Burgtor

Ein vergoldeter Lorbeerzweig für Sultan Mehmed V. in der Mitte des Burgtors an der Außenseite zum Ring hin erinnert daran, dass das Habsburger-reich und das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg Bündnispartner waren.

 

Michaelertor

Das Michaelertor in der Hofburg imitiert angeblich die „Hohe Pforte“ in Istanbul.

 

Österreichische Nationalbibliothek

In der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek auf dem Josefsplatz werden zahlreiche osmanische Handschriften aufbewahrt.

 

Michaelerplatz

Im alten „Paradeisgartl“ auf dem heutigen Michaelerplatz wurden im 16. Jahrhundert erstmals in Europa Flieder, Hyazinthen und Tulpen angepflanzt. Die Gesandtschaft von Ogier Ghislain de Busbecq hatte die Pflanzen aus der Türkei mitgebracht.

 

Heldenplatz

Auf dem Heldenplatz, rund um das Prinz-Eugen-Denkmal, fanden und finden Gedenkfeiern statt, die an das Ende der osmanischen Belagerung 1683 erinnern – etwa in den Jahren 1895, 1933 und 1983.

 

Folgen Sie dem Link zu den Briefen der Gesandten Ogier Ghislain de Busbecq und Evliyâ Çelebi