Vom Ritterturnier
zur Kissenschlacht

© feld72

 

Der Burghof war über Jahrhunderte Schauplatz von repräsentativen höfischen Veranstaltungen, von glanzvollen Turnieren, Rossballetten, Freilufttheateraufführungen und winterlichen Schlittenfahrten.
 

Kolorierter Holzschnitt in der Festbeschreibung von Heinrich Wirrich, © Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Foto: Georg Mayer
Turnierspiel anlässlich der Wiener Hochzeit zwischen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und Prinzessin Maria von Bayern, 1571

Mit einem Turnierspiel auf dem Burgplatz der Hofburg (heute: Innerer Burghof) wurde 1571 in Wien die Hochzeit zwischen Karl von Inner­österreich und Maria von Bayern gefeiert. Bei dem allegorischen Vorspiel des Turniers wurde der Kampf zwischen Europa und dem Rest der Welt in Szene gesetzt. Für die aufwendigen Hochzeits-feierlichkeiten, die in Wien und in Graz begangen wurden, musste der Kaiser einen hohen Kredit aufnehmen.

 

Radierung nach Nicolaus van Hoy, © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv
Pferdeballett anlässlich der Hochzeit Kaiser Leopolds mit Margarita Teresa von Spanien, 1667

Mit zahlreichen Feierlichkeiten beging Kaiser Leopold seine Vermählung mit der spanischen Infantin Margarita Teresa, die gleichzeitig seine Nichte war. Ein Höhepunkt war das prächtige Rossballett im Burghof am 24. Jänner 1667. Hunderte von Pferden und Reitern führten inmitten von aufwendigen Bühnen- und Tribünenbauten im Burghof eine Choreografie auf. Auch Kaiser Leopold selbst nahm zu Pferd an dem Schauspiel teil. Die Hochzeit war eines der glanzvollsten barocken Feste in Europa. Damit wollte der Kaiser auch weithin seinen politischen Anspruch auf das spanische Erbe kundtun. Margarita Teresa, bei ihrer Hochzeit 15 Jahre alt, starb nach sechs Schwanger-schaften im Alter von 22 Jahren.

 

Detail aus dem Gemälde von Franz Michael Augustin Purgau und Johann Carl Auerbach, 1766, © Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Kaiserliche Schlittenfahrt am 7. Februar 1765 anlässlich der Vermählung Kaiser Josephs II. mit Maria Josepha von Bayern.

Im Winter bildeten Schlittenfahrten eine beliebte Festlichkeit bei Hof. Ihr Ausgangspunkt war der Burgplatz, wo die Schlitten zum Auftakt traditionellerweise eine erste Runde drehten. Gelenkt wurden sie von einem männlichen Mitglied des Hofes – bis hin zum Kaiser, der jeweils eine prächtig gekleidete Dame kutschierte. Bei Schneemangel wurden hunderte Fuhren Schnee zugeführt.

 

© Stefan Schmalzbauer
International Pillow Fight Day, Innerer Burghof, 2. April 2011

Seit 2008 findet jährlich der „International Pillow Fight Day“ statt, an dem weltweit in dutzenden Städten von New York bis Madrid, von Toronto bis Neu-Delhi gleichzeitig Kissenschlachten abgehalten werden. Der Schauplatz in Wien war meist – es könnte nicht passender sein – der Innere Burghof, der jahrhundertelang als Turnierplatz der Wiener Residenz gedient hatte. Auch bei Kissenschlachten gibt es Turnierregeln: Man darf nur jemanden schlagen, der selbst ein Kissen hat. Zu stark darf ebenfalls nicht geschlagen werden. Und anschließend muss jede/r seine bzw. ihre Federn selbst aufräumen.

 

One of our goals is to make these unique happenings in public space become a significant part of popular culture, partially replacing passive, non-social consumption experiences like watching television, and consciously celebrating public spaces in our cities as our urban living rooms. www.pillowfightday.com